Koma

 

Das Koma ist die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung. Der Mensch kann in einer solchen Situation auch durch starke Schmerzreize nicht erweckt werden. Es ist der Ausdruck einer Funktionsstörung der Großhirnrinde und meist lebensbedrolich. Es können aber z.B. das respiratorische System (Lungenfunktion), andere Organe oder ein Schlaganfall Ursachen für ein Koma sein.

Diese Menschen brauchen besondere medizinische Maßnahmen und Überwachung, da es ein lebensbedrohlicher Zustand sein kann.

 

Was findet man an einem Intensivstationsbett, wenn Menschen im Koma liegen?

  • Elektokardiogramm (EKG), Blutdrucküberwachung (Blutdruckmanschette / arterieller Zugang), Sauerstoffsättigung (SpO2) und Puls, Atemfrequenz und Atemrhythmus, sowie ein Respirator für eine künstliche (mandatorische) Beatmung.

 

Wie stark kann ein Koma sein?

Die "Stärke" des Komas wird über die RASS Skala (Richmond Agitation Sedation Scale) beurteilt. Dies ist eine zehnstufige Skala und schätzt die Agitations- oder Sedationszustands eines Patienten ein. Sie geht von +5 bis -5, von sehr aggressiv bis nicht erweckbar.

Während eines Komas kann der Patient nicht eigenständig atmen und muss durch eine künstliche (mandatorische) Beatmung unterstützt werden. Grund für eine mandatorische Beatmung ist die respiratorische Insuffizienz, wodurch der Gasaustausch nicht mehr gewährleistet ist.

Wenn der Mensch im Koma liegt, muss er notfallmäßig intubiert ("ein Schlauch wird durch den Mund in die Luftröhre (Trachea) geschoben") werden. Dieser "Tubus" darf in der Regel bis zu 14. Tage liegen (es kann auch vorher der Schlauch entnommen werden und der Patient atmet wieder ohne Unterstützung), ansonsten muss der Patient einen Luftröhrenschnitt mit einer gelegten Kanüle erhalten. Nach erfolgreicher Entwöhnung der mandatorischen Beatmung ("Weaning") kann der Patient bei gutem Verlauf wieder Eigenständig ohne Unterstützung atmen. Bis zu diesem Schritt muss der Patient drei Stadien der Beatmung absolvieren. Stadium 1: fehlende Spontanatmung (kontrollierte Beatmung, Patient zu "schwach" für Spontanatmung). Stadium 2: unterstützte Spontanatmung (Patient hat einen ausreichenden Atemantrieb, wird durch den Respirator bei Erschöpfung unterstützt). Stadium 3: eigenständige Atmung (Patient gibt Atemanrieb vor und wird dann vom Respirator unterstützt).

 

Therapie:

Man kann ein Koma nicht direkt therapieren. Um den Patienten aus dem Koma erwecken zu können, muss die ursächliche Erkrankung behandelt werden. Es wird ein interdisziplinäres Team (Ärzte, Intensivkrankenpfleger /-innen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Angehörige) gebildet.

Eine physiotherapeutische Behandlung sollte bereits in der Frühphase (nach Leitlinien S2e 72h nach Aufnahme der Intensivstation) stattfinden, ein Transfer an die Bettkante ist auch im Koma möglich und kann die Liege- und Beatmungsdauer des Patenten reduzieren. Ein Stand ist auch mit mandatorischer Beatmung möglich, selbst ein Gang auf der Intensivstation.

 

Prognose:

Sie ist schwer zu stellen und hängt von verschiedenen Faktoren (Alter, Erkrankung (mit Nebendiagnosen), Verlauf) ab. Schwerste Komplikation ist das Wachkoma (apallisches Syndrom). Haben Sie keine Angst Ihre Angehörigen oder Freunde auf einer Intensivstation zu besuchen, auch wenn diese im Koma liegen "spüren" sie, dass jemand an ihrer Seite ist. Führen Sie ein Tagebuch, denn es kann bis zu Monate dauern, bis der Patient wieder erwacht.

 

 

Quelle:

 

  • Lexikon der Krankheiten, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, 2. Auflage

 

 Quelle Bilder:

 

  • https://www.medica.de/de/News/Thema_des_Monats/%C3%84ltere_Themen_des_Monats/Themen_des_Monats_2020/Intensivstation/Auf_der_Intensivstation_smarte_L%C3%B6sungen_f%C3%BCr_eine_bessere_Versorgung (Zugriff: 10.04.21 ; 17:40 Uhr)

 

 Autor des Textes:

  • E. Isenberg – Physiotherapeut für Intensivmedizin mit eigenem Therapiekonzept zur professionellen Behandlung komatöser Patienten in Köln, angehender Atemtherapeut

 

 

 

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