Kreuzbandruptur

 

(Synonym: Kreuzbandriss)

 

 Fallbeispiel:

 

„ Peter Meinhardt (39) ist am letzten Tag seines Skiurlaubs schwer gestürzt. Es tat zwar etwas weh im rechten Knie, aber er konnte die Abfahrt ins Tal noch fortsetzen. Am näcjsten Tag war das Knie etwas geschwollen und er hatte leichte Schmerzen beim Laufen. Zu Hause hat Peter das Knie immer wieder gekühlt und so gut wie möglich geschont. Nach viel Wochen war es kaum noch geschwollen, aber auf unebenem Boden hat er immer das Gefühlt wegzuknicken. Die klinische Untersuchung beim Arzt ergibt den Verdacht auf einen vorderen Kreuzbandriss.“

 

 

 

 

 

Definition:

 

Eine Kreuzbandruptur ist ein teilweiser oder kompletter Riss des vorderen und/oder hinteren Kreuzbandes im Kniegelenk.

 

 

Ursachen:

 

 

  • Gewalteinwirkungen ohne direkten Kontakt – z.B. Verdrehen im Kniegelenk bei Skifahrern oder Fußballern,

 

  • direkte Gewalteinwirkung von vorne wird das Kniegelenk überstreckt – z.B. Anpralltrauma, Verkehrsunfall,

 

  • übermäßige Flexion (Beugung) im Kniegelenk kann ebenfalls zu einer Ruptur führen,

 

  • Verletzungen des hinteren Kreuzbandes ist zu 40% der Fall.

 

 

 

Symptome:

 

 

  • heftiger Schmerz im Moment des Unfalls,

 

  • Beschreibung eines Zerreiß- oder Verschiebegefühl im Knie,

 

  • Schmerzen v.a. bei Belastung,

 

  • Schwellung – Kniegelenkerguss meist einige Stunden nach dem Unfall,

 

  • späterer Zeitpunkt Unsicherheit im Gehen durch eine Knieinstabilität.

 

 

 

Diagnose:

 

 

  • Rekonstruktion des genauen Unfallherganges ergibt wichtige Hinweise auf die Art der Verletzung,

 

  • klinisch kann durch bestimmte Handgriffe das sog. Schubladen-Phänomen geprüft werden (abnorme Verschiebbarkeit des Unterschenkels gegen den Oberschenkel),

 

  • massive Gelenkergüsse („Kniegelenkerguss“) werden punktiert à tritt dabei Blut auf (Hämarthros), ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Kreuzbandruptur vorliegt, da die Kreuzbänder gut durchblutet sind,

 

  • Röntgenaufnahme: knöcherne Verletzungen können ausgeschlossen werden, also Ausrisse am Femur oder an der Tibia (Eminentia intercondylaris), an denen die Kreuzbänder ansetzen,

 

  • MRT: Ausmaß der Kniebinnenverletzungen kann genauer beurteilt werden (Kreuzbänder, Menisken, Erguss),

 

 

 

Differenzialdiagnose:

 

 

  • häufig sind weitere Kniebinnenstrukturen verletzt,

 

  • typische Kombination: vorderes Kreuzband, Innenband und Innenmeniskus = „unhappy triad“

 

 

Therapie:

 

 

  • Erstversorgung: Hochlagerung und Kühlungen des Beines – bei komplexen Kniegelenksverletzungen wird eine Schiene angelegt,

 

  • Therapie hängt v.a. davon ab, wie stabil das Kniegelenk unter normaler Belastung ist, ob der Patient aktiv Sport betreiben möchte oder beruflichen Belastungen ausgesetzt ist, die eine hohe Stabilität des Kniegelenks erfordern,

 

 

 

konservative Therapie:

 

 

  • v.a. bei Patienten in fortgeschrittenem Alter, bei bereits bestehender Arthrose und bei geringen Belastungsforderungen,

 

  • Schwerpunkte sind zunächst Kühlung, Entlastung durch Verwendung von Gehstützen und Schmerztherapie,

 

  • bei starker Ergussbildung wird das Kniegelenk punktiert,

 

  • durch Physiotherapie wird die Muskulatur so weit gekräftigt, dass das Kniegelenkt unter normaler Belastung stabil bleibt,

 

  • sind weitere Kniebinnenstrukturen verletzt, werden z.T. Knieorthesen verordnet,

 

  • Vermeidung von Bewegungen, die zu Verdrehungen im Kniegelenk führen (Laufen auf unebenem Boden sowie abrupte Richtungswechsel),

 

  • bevorzugte Sportarten: Radfahren oder Schwimmen (mit Kraul-Beinschlag).

 

 

 

operative Therapie – einige Wochen nach dem Unfall:

 

 

  • vorderes Kreuzband:

 

  • wird durch ein körpereigenes Transplantat (Kreuzbandplastik) ersetzt,

 

  • entweder Teile der Patellarsehne mit Knochenblöcken oder die Sehne des Musculus semitendinosus werden entnommen und als Ersatz des vorderen Kreuzbandes im Femur und im Tibiakopf fixiert

 

  • hinteres Kreuzband:

 

  • chirurgische Rekonstruktion ist schwieriger, weil sich in diesem Bereich wichtige Nerven- und Gefäßbündel befinden,

 

  • außerdem liegen hier meist schwere, kombinierte Knieverletzungen vor, so dass die Ergebnisse nicht so gut sind wie bei der vorderen Kreuzbandplastik.

 

 

 

Physiotherapie:

 

  • nach der Operation ist die frühe Übungsbehandlung wichtig, zunächst auf der Bewegungsschiene, später dann durch gezielte Physiotherapie mit Muskelaufbau sowie Koordinationsübungen.

 

 

 

Prognose:

 

  • ohne Behandlung führen Kreuzbandrupturen zu vorzeitigem Verschleiß des Kniegelenks mit Meniskus- und Knorpelschäden,

 

  • zu frühe Operation: Gefahr einer Gelenkversteifung (Arthrofibrose),

 

  • Belastbarkeit des Kniegelenkes ist nach dem Einsetzen einer Kreuzbandplastik gut,

 

  • Operationsmöglichkeiten sind Wundheilungsstörungen, Infektionen, Gefäß- und Nervenverletzungen und Transplantatlockerung.

 

 

 

 

Quelle:

 

-       Lexikon der Krankheiten, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, 2. Auflage

 

 

 

Quelle Bilder:

 

-       https://www.ksw.ch/gesundheitsthemen/knie-kniegelenk/vorderer-kreuzbandriss-vordere-kreuzbandruptur/ (Zugriff 30.06.2022, 18:50 Uhr)

 

 

 

Autor des Textes: E. Isenberg – Physio- und Atemtherapeut für Intensivmedizin (ICU) in Köln

 

 

 

 

Info: nächstes Thema – Multiple Sklerose

 

 

 

Erstellung des Berichtes: 02.07.2022